Früher habe ich immer über die Handarbeiter gelacht, die einem „mal eben“ eine Nähnadel raussuchen wollten und dafür einen Koffer voll mit gleichgroßen Strick- und Häkelnadeln auskippen mussten, um irgendwo dazwischen die verschwindend kleine Nähnadel zu finden. Im Jahr 2017 kamen auf einen deutschen Haushalt 1,14 Autos, auf einen durchschnittlichen Stricker wahrscheinlich ein Dutzend Nadeln in der jeweilig existierenden Nadelstärke. Das war für mich absoluter Irrsinn!

Während ich früher noch herzhaft über diese Ressourcenverschwendung gelacht habe und heimlich meiner Oma einen leichten Wahn diagnostizierte, befinden sich mittlerweile in jeder Sofaritze, in jeder Schublade und jedem Schrank mindestens eine Nadel. Früher habe ich mich immer gefragt, wofür man 3 Rundstricknadeln in der Größe 2,5 braucht, heute komme ich mit 5 nicht aus! Zum Ersten: Damals kannte ich den Begriff „UFO (Unfertiges Objekt)“ noch nicht und wusste ebenfalls nicht, dass man Projekte im Zweifelsfall nicht fertigstellen muss, SOFERN man einfach immer auf eine weitere, freie Nadel zurückgreifen kann! Zweitens war mir nicht klar, wie unverzichtbar unterschiedliche Seillängen sein können. Dafür muss man sich erst durch einen 1,5m Magic Loop quälen, um kurzerhand die drölfigste Nadel zu erwerben.
Zu Omas besten Strick-Zeiten gab es noch keine bequemen und qualitativ hochwertigen Nadelsysteme, mit denen man die Seile auswechseln kann und dadurch ein wenig Ordnung ins Kabelchaos bringen kann. Zwar gibt es mittlerweile einige auf dem Markt, aber ich nutze dennoch hauptsächlich einzelne Stricknadeln mit fest angebrachten Seil. Ursprünglich dachte ich, dass Nadelset von Addi würde sich gut in meinem Schrank machen, allerdings war ich von diesem System relativ wenig überzeugt. Irgendwie schaffte ich es immer wieder, dass meine Seile absprangen und bei einem „mehrere 100 Maschen Projekt“ macht mich dieser Umstand schlichtweg zu nervös. Eine bittere Erfahrung, da das Set nicht günstig war und ich, wie befürchtet, eine ganze Reihe Maschen verloren habe. Des Weiteren war der Übergang zwischen dem Seil und der Nadel etwas ruckelig und die Maschen blieben alle Nase lang daran hängen. Ich denke, ihr versteht den Horror, der sich dahinter verbirgt.
Nichtsdestotrotz gehört eine der Addi Nadeln zu meinen derzeitigen Lieblingen. Die addiNovel (Werbung) ist eine eckige Rundstricknadel, die das Strickbild verfeinern soll und dazu für Menschen mit Arthritis angenehmer ist. Warum genau sie einer meiner Favoriten ist, kann ich selbst nicht sagen. Vielleicht ist es auch für gesunde Finger angenehm, diese 3D-Haptik beim Stricken zu erleben? Wer Metallnadeln nicht verträgt, sollte dringend eine KnitPro Rundstricknadel (Werbung) versuchen! Ich liebe diese spezielle Färbung der Holzstricknadel und es fühlt sich tatsächlich ein wenig anders an, wobei ich nicht sehr wählerisch bin. Im Internet konnte ich einige Berichte darüber lesen, dass Strickern die Nadeln zerbrochen sind. Dies passierte wohl bei den sehr kleinen Nadelstärken und ist für mich grundsätzlich nachvollziehbar, da Holz weniger robust als Metall ist, obwohl bei mir alle Nadeln seit Jahren halten – auch die 2,5er. Wahrscheinlich hat jede Nadel ihre Stärken und ihre Schwächen. (Nachtrag 06.09.2021: Staatstrauer angesagt, meine hübsche KnitPro-Rundstricknadel ist zerbrochen! Mitten in der Runde, während eines einfachen Sockenprojektes)
Nicht wenig Sockenstricker schwören auf das Crasy Trio von Addi (Werbung) oder das berühmte Sockenwunder (Werbung). Beides habe ich zwar zuhause, aber mit dem Trio konnte ich mich nie bedingungslos anfreunden, während ich vom Sockenwunder einen bunten Strauß an Größen habe und damit meine Pulloverärmel stricke.
Last but not least, meine geliebten Hiyahiya Sharp Nadeln (Werbung). An der Stelle möchte ich eine kurze Warnung aussprechen, die vielleicht übertrieben scheint, aber das macht ja nichts 🙂 Die HHS hat mich durch einige Strickprojekte gerettet, da sie außerordentlich spitz ist und gerade Lacemuster, mit „von hinten verdrehten Maschengedöhns“ leicht bewältigen lässt. Die Spitze ist aber SO spitz, dass man sich 1.) beim Stricken daran gewöhnen muss, vor allem, wenn man oben die Spitze immer mit dem Zeigefinger drückt, um die Maschen zu sortieren und 2.) beim unachtsamen Stricken auch mal ein Stich daneben gehen kann. Erst vor ein paar Tagen, habe ich an meinem aktuellen Paar Socken gearbeitet und mich absolut nicht darauf konzentriert. Ich war gedanklich bei der Arbeit und mit gingen einige unschöne Dinge durch den Kopf, die ich erledigen muss. Einen Stich später, hatte ich mir die Spitze unter den Daumennagel gestochen und natürlich sah es alles andere als schön aus. Diese Erzählung sollte jedoch niemanden davon abhalten, diese Nadeln zu erwerben! Ich liebe diese Spitze und stricke meine Socken nahezu ausschließlich mit diesen Nadeln. Mein Learning ist, dass ich einfach achtsamer sein muss und notfalls werde ich von meinen Nadeln daran erinnert, im HIER und JETZT zu leben 🙂
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Silvia Krenn
14. Dezember 2023 — 22:03
Hallo Steffi, ich brauch noch nicht mal spitze Stricknadeln um mich zu verletzen 😆. Vor ca. 2 Jahren hatte ich einen Termin auf der Neurochirurgie, weil ich warten musste holte ich mein Strickzeug 🧶 um meine begehrten Teddybären 🧸 zu stricken. Ich wurde aufgerufen um ein Formular auszufüllen 📝. Danach hab ich mich auf die zur Seite gelegte Strickarbeit gesetzt, und mir eine der Nadeln voll in meinen Popsch gestochen, sooo peinlich 🫣🥹😅 Das gute daran: ich bin sofort dran gekommen… Aber, die Ärzte und Schwestern haben doch sehr gelacht 😁😂🤣
Woll.Verine
16. Dezember 2023 — 23:40
Guten Abend und… I feel it!
Als mein Freund und ich noch ganz frisch zusammen waren, setzte ich mich zuhause mit einer HAUCHdünnen Hose auf einen angespitzten Bleistift, der hochkant in der Sofaritze steckte. Meine Mama lässt ALLES auf der Couch liegen und ich habs nicht gesehen… ich hatte wochenlang einen schwarzen Punkt im Hintern und mein NEUER Freund musste meinen Po kontrollieren, wie schlimm es aussieht 😀 Es war einfach auf sehr vielen unterschiedlichen Ebenen schlimm. 😀 😀
Bley
13. Januar 2023 — 12:04
Hallo, ich stricke zum ersten Mal mit dem Crazy trio sockenwundernadeln. Ich bin restlos begeistert davon, daß strickt ja fast von alleine. Ich habe überhaupt kein Problem mit der Nadellänge. Kann ich nur empfehlen.
Ich bin begeisterte Hobbystrickerin.
Woll.Verine
13. Januar 2023 — 12:23
Huhu 🙂
Das Wunder nutze ich sehr gerne beim Stricken von Ärmeln. Bei Tüchern kommt man allerdings nicht sehr weit 😅
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Steffi
Mandy
2. Oktober 2022 — 15:22
Ich finde deinen Blog super. Immer, wenn ich einen Beitrag lese, zaubert er mir ein Lächeln ins Gesicht. Und irgendwie find ich mich auch immer selbst darin wieder. Bei meinen Sockennadel schwör ich aufs Addi CrazyTrio. Das erste Paar fand ich super nervig, aber seit dem habe ich sicherlich 50 Paar Socken damit gestrickt. Und etliche Barbiekleider.
Woll.Verine
6. Oktober 2022 — 13:46
Hallöchen und ganz lieben Dank für deinen Kommentar <3 Es freut mich, wenn der Blog etwas Unterhaltung bieten kann und man Gleichgesinnte "Stricknadelsammler" trifft 😀
Das CrazyTrio habe ich auch, allerdings weiß nur der Geier wo... Wahrscheinlich taucht es auf, sobald ich mir das Set erneut gekauft habe. Meine Ärmel stricke ich mittlerweile am liebsten mit dem Sockenwunder, wobei die ersten Runden immer etwas schmerzhaft sind. Der Vorteil einer einzigen Stricknadel ist bei Ärmeln wirklich groß, wobei ich Stricksocken nie ausprobiert habe.
Btw: Barbiekleider stelle ich mir aber auch enorm befriedigend als Projekt vor 😀
Liebe Grüße
Steffi
Uta tschadow
1. Juli 2022 — 10:20
Hallo ich lese ständig deine Berichte ich finde so toll U. Ich muss sagen ich erkenne mich oft das es mir auch so geht übrigens die fiese moep habe ich gestern gekauft es fusselt nicht so schlimm habe aber eine Probe gemacht schön weich ist sie ja .ich probiere weiter aus LG von Uta vom bodensee
Woll.Verine
10. Juli 2022 — 18:39
Hallo Uta! Entschuldige die späte Rückmeldung 🙂 Es freut mich sehr, dass dir die Beiträge gefallen. Solang das Ergebnis weich und schön ist, kann man sich auch mal durchbeissen… kennen wir doch alle 🙂